Der demografische Wandel erfordert neue Strategien im Personalmanagement - die familienorientierte Ausrichtung des Unternehmens ist hierbei ein wichtiges Instrument, das eigene Unternehmen attraktiv zu machen, um Personal zu gewinnen bzw. zu binden.
Diese Einschätzung gaben unisono die Unternehmensvertreter bei der Veranstaltung 'Familienbewusste Unternehmensführung - Nachhaltige Personal- und Unternehmenspolitik im demographischen Wandel' am 9. November 2010 wieder.
Eingeladen hatte das Regionale Familienbündnis unter dem Dach der INITIATIVE BAYERISCHER UNTERMAIN in die Räume des Klingenberger Messgeräteherstellers WIKA. Etwa 80 Vertreter von Unternehmen und Einrichtungen aus der Region Bayerischen Untermain - vornehmlich Personalverantwortliche - nahmen mit großem Interesse daran teil.

Das Erwerbspersonenpotenzial nimmt bis 2030 um mindestens 5 Milionen Menschen ab - so die Prognosen. Das trifft die Wirtschaft in besonderem Maße, ist sie doch auf Fachkräfte angewiesen. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung rückt insgesamt weniger Nachwuchs nach und dieser Mangel an potenziellen Fachkräften wird durch die altersbedingte Fluktuation noch verstärkt.
Zusätzlich steigt die Mobilität der jungen Menschen und große Unternehmen investieren massiv in 'Arbeitgebermarketing'. Das Werben um qualifiziertes Personal und die Bindung der Mitarbeiter an den Betrieb wird daher zu einer zentralen Herausforderung der klein- und mittelständischen Unternehmen in der Region.
Diese grundlegende Beschreibung der Ausgangssituation wurde in den beiden Einführungsvorträgen sehr deutlich. Referentinnen waren Dr. Astrid Szebel-Habig, Professorin für Personal- und Unternehmensführung an der Hochschule Aschaffenburg und Sofie Geisel, Projektleiterin des Netzwerkbüros 'Erfolgsfaktor Familie' bei Deutschen Industrie- und Handelstag in Berlin.
In einer anschließenden Diskussionsrunde mit Unternehmensvertretern wurde diese Sicht auch aus der Praxis gestützt. Familienfreundlichkeit ist längst ein Marketinginstrument. Gute Mitarbeiter seien rar und die finde und halte man nur, wenn man nach außen und innen attraktiv sei - so die Meinung der Personalverantwortlichen.
Moderatorin Sofie Geisel; Kerstin Querl (Klinikum Aschaffenburg); Dagmar Noe (bioverlag GmbH, Aschaffenburg); Peter Ott (Klemens Ott GmbH, Miltenberg); Andrea Zink (Ziemann Group, Bürgstadt); Thomas Maier (Raiffeisenbank Aschaffenburg); Peter Ballweg (WIKA Alexander Wiegand SE & CO. KG, Klingenberg).Mit zwei weiteren Veranstaltungen 2011 bot das Regionale Familienbündnis zusätzliche Informationen und Impulse.
Im Rahmen eines Expertengesprächs am 12. Juli in der ZENTEC zum Thema betriebliche Kinderbetreuung konnten sich zahlreiche Unternehmensvertreter mit ihren spezifischen Fragen direkt an Fachleute aus Verwaltung, Kinderbetreuung und Sozialwesen wenden. Besonders deutlich wurde bei diesem konkreten Dialogformat das Interesse an betrieblichen Lösungen, die das öffentliche Angebot ergänzen und die Flexibilität der Mitarbeiter erhöhen – z. B. Notfallbetreuungen, Tagesmutterservice, Ferienangebote etc. So finden sich auch abseits der „großen Lösungen“ wie ein Betriebskindergarten zahlreiche Ansätze zur Unterstützung der Mitarbeiter.
Am 27. Oktober 2011 fand im Industriecenter Oberburg die Veranstaltung „Arbeitsgestaltung heute und morgen – Wege zur Fachkräftesicherung“ statt. Ein ganz zentraler Aspekt für eine familienbewusste Unternehmenskultur liegt natürlich in einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Eine moderne Arbeitszeitorganisation erleichtert nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern ist ein Instrument, das die Verfügbarkeit von Fachkräften gewährleisten kann. Im Rahmen eines Vortrags und im Dialog mit Teilnehmern wurden Fragen zur modernen Arbeitszeitorganisation, Teilzeitmodellen, Lebensphasenorientierte Arbeitszeit und vieles mehr diskutiert.
Dem Thema „Vereinbarkeit Beruf und Pflege“ widmete sich eine Vortragsveranstaltung des Regionalen Familienbündnisses unter dem Dach der INITIATIVE BAYERISCHER UNTERMAIN am 10. Mai 2012 in der AOK Aschaffenburg. Das Projektteam hatte dazu als Hauptreferentin Frau Ursula Nicola-Hesse von der berufundfamilie Service GmbH eingeladen, die vor etwa 60 interessierten Personalverantwortlichen aus unterschiedlichsten Branchen über die Herausforderungen und Eckpunkte einer „pflegesensiblen Personalpolitik“ berichtete.
Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt die Zahl pflegender Mitarbeiter deutlich an und übersteigt schon jetzt und in Zukunft bei weitem die Zahl der Mitarbeiter, die Kinder betreuen. Diesen Anforderungen müsse auch auf Unternehmensseite begegnet werden, so Nicola-Hesse. Sie zeigte einige Möglichkeiten auf, wie Arbeitgeber die Vereinbarkeit erleichtern können – so etwa über die Bereitstellung von Informationen, Vortragsveranstaltungen, Umwandlung von Sonderzahlungen in Freistellung, Familienschichten oder mobiles Arbeiten und vieles mehr. Wichtig sei es in jedem Fall, dieses Thema zu enttabuisieren und im Bedarfsfall einen offenen Dialog zu führen. Während im Rahmen der Diskussion zur Vereinbareit von Familie und Beruf die Thematik der Kinderbetreuung einen „Niedlichkeitsfaktor“ hat, werde eine Pflegesituation oftmals verheimlicht.
Ergänzt wurde der Vortrag mit Informationen zum neuen Familienpflegezeitgesetz und von Praxisberichten der Personalverantwortlichen bei AOK, Linde Material Handling, Caritas und Stadt Aschaffenburg sowie Informationen der „Beratungsstelle für pflegende Angehörige“.
Familienorientierung ist also eine lohnende Investition - dies wurde in jedem Fall allen Beteiligten deutlich. Der betriebswirtschaftliche Nutzen kann die Investitionen deutlich übersteigen - und das sogar kurzfristig. Die Werttreiber familienfreundlicher Maßnahmen sind beispielsweise einfachere Rekrutierung, geringere Fluktuation und damit geringere Personalbeschaffungskosten, geringere Kosten der Elternzeit durch Einbindung und frühe Wiedereingliederung, besseres Betriebsklima sowie höhere Motivation und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten. Diese Faktoren zusammen führen in vielen Fällen zu einer erhöhten Produktivität.

Weiterführende Informationen:
Ansprechpartner in der Region:
Mehrgenerationenhäuser in der Region (mit zahlreichen Unterstützungsangeboten)
Nützliche Links zur Thematik:
Kontakt:
INITIATIVE BAYERISCHER UNTERMAIN
Markus Seibel (Regionalmanager)
Industriering 7
63868 Großwallstadt
Tel. 06022 26-2180
seibel@bayerischer-untermain.deErfolgsfaktor Familie
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