06.03.2020 18:42 Alter: 33 days
Kategorie: News, Startseite

Chancen nutzen - Qualifizierung für die Arbeitswelt 4.0


Was bedeutet nachholende Digitalisierung? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen und ihre Beschäftigte, um neue Kompetenzen, die in der digitalen Welt gefragt sind, zu erwerben?

Diese und weitere spannende Fragen wurden im Rahmen der Regionalen Fachkräftekonferenz „Chancen nutzen – Qualifizierung für die Arbeitswelt 4.0“ der Regionalen Fachkräfteallianz Bayerischer Untermain, die am Donnerstag, den 05. März 2020 im Bürgerzentrum Elsenfeld stattfand, beleuchtet.

In seiner Keynote „Der Wandel der Arbeitsprozesse benötigt einen Wandel der Kompetenzen - von der nachholenden Digitalisierung zur vorausschauenden Arbeitsgestaltung“ warf Herr Welf Schröter, Leiter Forum Soziale Technikgestaltung und   Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ einen ernüchternden und herausfordernden Blick auf den digitalen Wandel.
Schröter fordert dazu auf sich klarzumachen, dass die Technikentwicklung,
die das mobile Arbeiten, eine elektronische Aktenführung oder E-Learning-Plattformen etc. ermöglichen, welche heute z.T. als Digitalisierungsfortschritt in Unternehmen und Kommunen „verkauft“ werden, längst vorhanden sind. Zurzeit müsse man von einer nachholenden Digitalisierung sprechen, so Schröter. Viele Technologien hätten bereits Potenziale für andere Anwendungen, die jedoch noch nicht genutzt werden. Man habe die letzten 25 Jahre kollektiv geschlafen, so Schröter.

Man müsse sich vor Augen führen, dass man früher Werkzeuge genutzt habe, die sich im Kern nicht verändert haben. Die Person, die mit einem Werkzeug gearbeitet hat, konnte eine Beziehung und Vertrauen dazu aufbauen. Das Werkzeug war verlässlich, so Schröter. Heute nutzt man hingegen Werkzeuge, die sich durch die Anwendungen ständig verändern. Die Software nimmt neue Daten auf und neue Bewertungen vor. Nun stellt sich die Frage, wie erlernen wir den Umgang mit diesem Werkzeug? Ein Werkzeug, dass bspw. auch zwischen Betrieben Prozesse steuern möchte. Die Komplexität nehme stark zu, da ablaufende Prozesse nicht mehr überschaubar und rekonstruierbar seien. Herr Schröter stellte die Frage in den Raum, was dies nun für das Lernen bedeute.
Es erfordere eine „vorausschauende Arbeitsgestaltung“, wenn bestimmte Stufen nicht mehr nachvollziehbar bzw. rückholbar seien. Die Komplexität nehme deutlich zu und das „schwierigste Problem“ sei, so Schröter, kompetent mit der Komplexität umzugehen. Es sei klar, dass es einen immensen Weiterbildungsbedarf für die Menschen gäbe, die den Umgang mit Komplexität nicht erlernt haben. Dazu müssten spezielle Lernmodule entwickelt werden. Auch Experimentierräume, in denen Menschen mit den neuesten Technologien Erfahrungen sammeln und Prozesswissen aufbauen könnten, seien eine Option, um Lücken im Gestaltungs-/Prozesswissen zu füllen.
Herr Schröter appelliert, es müsse eine große Diskussion darüber geben, u.a. mit Pädagogen, in welcher Stufe bzw. in welchem Alter bereits eine Weichenstellung stattfinden muss, um später im Berufsleben mit der Komplexität umgehen zu können.

In Zeiten der Digitalisierung verändere sich aber nicht nur die Qualifizierung der Mitarbeiter und die Suchstrategien für neue Mitarbeiter (Stichwort: Social Media-Kanäle), sondern auch die Mitarbeiterbindung. So würden qualifizierte ArbeitnehmerInnen mehr und mehr gezielt Unternehmen suchen, die veränderungsbereit sind.
„Betriebe sind künftig nur überlebensfähig, wenn sie eine Bereitschaft zur Selbstveränderung besitzen“, mahnt Herr Schröter und empfiehlt, Fachkräfte nicht nur zum Erhalt sondern als Bausteine der Veränderung zu suchen. Man benötige Menschen als Mitarbeiter, die zu Veränderungen bereit sind.
Der Druck zur Selbstveränderung wachse auch dadurch, dass sich Wertschöpfungsprozesse verschieben. Als Beispiel berichtete Schröter von einer Kaffeefiliale, die ihren Kunden nun ermöglicht, beim Kaffeebesuch ihr neues Badezimmer am Bildschirm zu planen und direkt in Auftrag zu geben. Ob von diesen Plattform-Ökonomien regionale Firmen profitieren, sei fraglich. Möglicherweise können stattdessen regionale Plattformen aufgebaut werden, um Wertschöpfungsvolumen bzw. die Gewerbesteuern in der Region zu halten.

Im Anschluss an die Keynote erhielten die 120 KonferenzteilnehmerInnen Gelegenheit, sich im Rahmen von zwei Foren sowie beim „Markt der Möglichkeiten“ über Angebote im Bereich der Weiterbildung zu informieren.


Im Forum I „Weiterbildungsinitiatorin als digitale BildungsberaterInnen“ erläuterte Susanne Trunk (SQG) ihre Unterstützungs- und Beratungsleistungen als Weiterbildungsinitiatorin. WeiterbildungsinitiatorInnen sind eine Maßnahme des Paktes für berufliche Weiterbildung 4.0, die sowohl ArbeitgeberInnen und Betriebs-/PersonalrätInnen als auch ArbeitnehmerInnen kostenfrei, unverbindlich und trägerneutral beraten und unterstützen. So werden ArbeitnehmerInnen bspw. rund um das Förderinstrument „Bayerischer Bildungsscheck“ beraten. Das Programm „Bildungsscheck“ wird vom Europäischen Sozialfonds und vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert und ist ein Pauschalzuschuss für die individuelle berufliche Fortbildung im Bereich Digitalisierung in Höhe von 500 Euro. Frau Trunk erläuterte in ihrem Vortrag, welche Weiterbildungsmaßnahmen gefördert werden können und welche persönlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Als Weiterbildungsinitiatorin unterstützt Frau Trunk ArbeitgeberInnen bspw. bei der Durchführung einer systematischen Analyse der vorhandenen Qualifikationsstruktur der Belegschaft. Wie eine strategische Personalplanung aussehen kann, stellt Frau Trunk am Ende ihres Vortrags vor und bot ihre Begleitung bei der individuellen Umsetzung an.
 

Im Forum II „Qualifizierungschancengesetz - Weiterbildungsförderung für Beschäftigte“ erläuterte Frau Eva Fritsch von der Agentur für Arbeit Aschaffenburg zunächst, was sich im Rahmen der Substituierbarkeit von Berufen durch die Digitalisierung am stärksten verändert und was dies für den Einzelnen und für das Unternehmen bedeutet. Frau Fritsch betonte, dass es keinen Automatismus gibt, dass Berufsbilder generell verschwinden, stattdessen fallen eher einzelne Tätigkeitsbereiche weg oder verändern sich stark. „Durch die Veränderung einzelner Tätigkeitsfelder ergeben sich nahezu für jeden Weiterbildungsmöglichkeiten“, so Frau Fritsch in ihrem Vortrag.
Fördermöglichkeiten zur Weiterbildung bietet das Qualifizierungschancengesetz, das im Januar 2019 in Kraft getreten ist. Durch die Agentur für Arbeit bestehen zwei Bereiche der Fördermöglichkeiten für Beschäftigte. Zum einen gibt es die sogenannten „Abschlussorientierten Weiterbildungen“, die schrittweise oder direkt zu einem Berufsabschluss führen. Das Besondere ist, dass keine Betriebsgrößenbeschränkungen existieren. Zum anderen gibt es die sogenannten „Anpassungsqualifizierungen“, die das berufliche Wissen stärken oder das Aufgabengebiet erweitern.

Um den ersten Schritt zu gehen, sollten laut Frau Fritsch die Unternehmen nun wie folgt vorgehen:  Zuallererst müsse sich das Unternehmen ansehen, wie es seine Aufgaben organisiert: Wer macht was und wann? Wo sind Schnittstellen etc.?
Im 2. Schritt seien dann die Fördermöglichkeiten auszuloten. Für eine Beratung stehen die persönlichen Ansprechpersonen im Arbeitgeberservice oder die beiden Ansprechpersonen für Förderung beruflicher Weiterbildung von Beschäftigten der Agentur für Arbeit in Aschaffenburg gerne zur Verfügung, so Fritsch.

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Bildquelle: Holger Kresslein


 

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