Finden und Binden - Zuwanderung als Chance für den regionalen Arbeitsmarkt

Qualifizierte Zuwanderung ist für die Wirtschaft in der Region unverzichtbar. Das war der Tenor einer Veranstaltung zur Integration von internationalen Fachkräften in den Arbeitsmarkt am Bayerischen Untermain. Gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, der Spanischen Botschaft in Deutschland, dem IQ-Landesnetzwerk Bayern sowie dem Innovationsbüro Fachkräfte für die Region führte die Regionale Fachkräfteallianz Bayerischer Untermain am Dienstag, den 19. Februar die Veranstaltung „Finden und Binden – Zuwanderung als Chance für den regionalen Arbeitsmarkt“ durch.

Mehr als 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Gewerkschaften und Verbänden diskutierten in der Hochschule Aschaffenburg neue Ansätze, um Fachkräfteengpässen zu begegnen. In vier Fachforen wurden gute Praxis und konkrete Handlungsansätze vermittelt, wie internationale Fachkräfte erfolgreich rekrutiert und in Unternehmen integriert werden können. Lokale und regionale Akteure gaben Einblick in Themen wie die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Spracherwerb und Arbeitsrecht oder inner- und außerbetriebliche Willkommenskultur.

Die Veranstaltung richtete sich an Arbeitgeber, Personalverantwortliche, Betriebs- und Personalräte vor dem Hintergrund der anhaltend angespannten Arbeitsmarktsituation. Auch in der Region Bayerischer Untermain zeigen sich bereits Auswirkungen des demografischen Wandels und in einigen Branchen können aufgrund bestehender Fachkräfteengpässe manche Stellen nicht oder nur schwer besetzt werden, da geeignete Bewerber fehlen. Die Zahl der offenen Stellen ist so hoch wie nie. Die sog. „Vakanzzeiten“ – die Zeit, bis eine Stelle wieder besetzt werden kann – ist nach Angaben der Agentur für Arbeit immer mehr gestiegen. In den Konjunkturumfragen der IHK Aschaffenburg wird die Fachkräfteproblematik jedes Mal an erster Stelle thematisiert. Knapp die Hälfte der Unternehmen gab beispielsweise in der Herbstumfrage 2018 an, dass offene Stellen derzeit längerfristig nicht besetzt werden können. Am größten ist der Mangel bei Bewerbern mit dualer Berufsausbildung, gefolgt von dem Qualifikationsniveau Fachwirte und Meister.

Um also langfristig den Fachkräftebedarf decken zu können, müssen daher alle verfügbaren Beschäftigungspotenziale erschlossen werden. Dazu gehört auch die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem EU-Ausland bzw. aus Drittstaaten. Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung ist der deutsche Arbeitsmarkt in diesem Zusammenhang auf Zuwanderung regelrecht angewiesen – auch bei voller Ausschöpfung des sog. „Erwerbspersonenpotenzials“ mit Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, verstärkten Bemühungen bei Aus- und Weiterbildung oder auch einer möglichen Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Auch die Effekte der Digitalisierung werden – diesen Prognosen zufolge – nicht dazu führen, dass der Fachkräftebedarf nennenswert sinkt. Zudem würde eine verstärkte Automatisierung sehr stark die sozialen Sicherungssysteme belasten.

Qualifizierte Zuwanderung ist demnach unverzichtbar. Zu beachten ist dabei, dass die Zuwanderung aus den EU-Staaten künftig allerdings zurück gehen wird – dort verbessern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse und auch der demographische Wandel ist dort in Gang mit steigendem Durchschnittsalter. Insofern wird die Zuwanderung aus Drittstaaten immer wichtiger.

Die Regionale Fachkräftekonferenz bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine ideale Gelegenheit, sich über Chancen und Möglichkeiten qualifizierter Zuwanderung zu informieren und anhand von best practice Beispielen in den verschiedenen Fachforen voneinander zu lernen sowie neue Impulse mitzunehmen.

Aufgrund des großen Interesses an der Veranstaltung und der vielfältigen Aspekte wird die Regionale Fachkräfteallianz vertiefte Angebote zum Thema Zuwanderung und Integration in die Planungen aufnehmen.

Partner der Fachkräfteallianz sind Agentur für Arbeit Aschaffenburg, DGB Unterfranken, HWK für Unterfranken, Hochschule Aschaffenburg, IHK Aschaffenburg, Landkreis Aschaffenburg und Landkreis Miltenberg sowie Stadt Aschaffenburg. Koordiniert wird die Fachkräfteallianz durch die Regionalmanagement-Initiative Bayerischer Untermain.